Gestern abend habe ich leider wieder nichts zum weggehen gefunden, da alle anderen auf einmal zu muede waren und ich alleine keine Lust hatte. Aber umso leichter war es heute morgen aus dem Bett zu kommen.
Was den Raketenbeschuss von Eilat betrifft, da hab ich noch ein paar Sachen rausbekommen (weiss ja nicht, ob das bis in die deutsche Presse gelangt ist). Eilat wurde von Sinai aus mit zwei Raketen beschossen, eine ging ins rote Meer, die andere ist in Jordanien in der Wueste gelandet, das Ziel wurde also weit verfehlt. Diesmal spricht man aber nicht von der Hamas, da das einfach zu stuemperhaft war und die besser zielen koennen. Waren also irgendwelche Hobbyraketenbauer aus Aegypten, soweit ich das richtig mitbekommen habe. Apropos, auf dem Weg nach Tiberias war ich heute in nem Mc Donalds mitten im Nichts in der Wueste aber in der Naehe von israelischen Einheiten. Hab ein super Foto, wie sie schoen in Reih und Glied mit ihren Gewehren auf dem Ruecken auf den Burger und die Cola warten
Ich war heute nochmal im toten Meer baden und habe die Schwerelosigkeit genossen. Baden im toten Meer ist wie 3D Kino. Beim ersten Mal ist es einfach nur wow, beim zweiten Mal fragt man sich warum nicht alle Meere so sind und beim dritten Mal hat man sich daran gewoehnt sich einfach so reinzulegen und nichts zu tun… Ich muss dann also am Mittelmeer aufpassen, das ich nicht vergesse zu schwimmen.
Der Weg nach Tiberias war bis auf zwei Situationen nicht weiter spannend. Die erste war, dass ich mich dafuer entschieden habe auf der Strasse 90 bis in den Norden zu bleiben auch wenn diese sehr nah an arabischem Gebiet (bei Jericho) vorbei geht und mir alle juedischen Israelis gesagt haben, sie wuerden lieber den Highway ab Jerusalem nehmen. Das waere aber ein grosser Umweg gewesen und so habe ich alle Autos vor und hinter mir genau beobachtet und wenn ich gruene statt gelbe Nummernschilder gesehen habe, war ich immer ganz aufgeregt. Eigentlich bescheuert, denn alles sah aus wie immer. Ich glaube in dem Punkt sind die Israelis wirklich ein bisschen veraengstig. Nach diesem Streckenabschnitt bei der Einfahrt in israelisch kontrolliertes Gebiet gab es wieder so eine Art Grenzuebergang und da kommen wir auch schon zur zweiten Story… Diesmal hat ein “Hello, I’m from Germany” nicht ausgereicht und ich wurde zur Seite gewunken in eine der drei ueberdachten Parkluecken. Ich musste mein komplettes Gepaeck selbststaendig rausnehmen, die Motorhaube und alle Tueren oeffnen, dann wurde das Auto noch mit einem Spiegel von unten untersucht. Meine Sachen wurden durchleuchtet wie auf einem Flughafen. Das ganze wurde durch ein paar Soldaten schwer bewacht, die dafuer umso lockerer drauf waren. Die Soldatinnen vom Checkpoint haben gefragt wo ich herkomme, wo ich schon so war, aber es war mehr plaudern als alles andere. Es wurde viel gelacht, sie haben mir noch ne tolle Zeit in Israel gewuenscht und waren neidisch auf den Strand in Eilat. Alles sehr verrueckt, irgendwie.
In Tiberias angekommen wusste ich erstmal nicht wohin, also bin ich ein bisschen rumgefahren und hab ein Stop an nem Campingplatz gemacht in der Hoffnung eine der Kabinen zu bekommen. Die waren aber alle belegt, also hat die Frau am Eingang einen Kumpel angerufen, der in einem Kibuz wohnt und mir angeboten bei ihm fuer 100 Shekel zu schlafen. Also bin ich dann dahin gefahren und musste den Typen zum Eingangstor rufen lassen. Er stieg ins Auto und wir sind zu seiner Wohung in diesem abgesperrten Bereich gefahren. Also, was soll ich sagen, der Typ war total zugekifft und die Bude sah schlimmer aus als alle Hostels die ich kenne zusammen. Bei dem konnte man wirklich vom Fussboden essen und waere locker satt geworden mit Nachspeise aus der Zimmerecke. Jedenfalls hab ich dem Typen ganz ehrlich gesagt, was ich davon halte und er meinte nur. Es sei ueberhaupt kein Problem wieder zu gehen, er waere da ganz cool. Gut, also bin ich da weg, auch wenns sicherlich irgendwie ein Erlebnis gewesen waere.
In Tiberias hab ich dann an der Hauptstrasse ein Hostel eindeckt was auch mehr dem arabischen Standard entspricht, aber nur 70 Shekel kostet. Hier habe ich ein eigenes Zimmer mit Dusche und TV. Apropos arabischer Standard. Raz hat mir erklaert, dass der grosse Unterschied darin besteht, das es bei Arabern nur Sachen im Haushalt gibt, die eine Funktion erfuellen, irgendwelche Staubfaenger von Nanu-Nana/Ikea werden also nicht geduldet. Vielleicht liegt das ja auch daran, dass die Maenner mehr zu melden haben und das die Frau direkt eine ins Gesicht bekommt, wenn sie Dekoration mit nach Hause bringt… soweit zu meiner Theorie.
Gut zu guterletzt, die Landschaft hier oben ist superschoen. Alles ist viel gruener, es gibt viele Palmen, viel Blumen, die Berge sind grasbedeckt und ich freue mich schon sehr, das morgen alles von einem der Berge zu sehen und die Gegend zu erkunden. Es soll sogar Tracks geben, bei denen ein Sprung von einem Wasserfall mit auf dem Weg liegt und man anders nicht weiterkommt.
So, mal gucken ob es im 24 Stunden Supermarkt nebenan (der zum Glueck nem Araber gehoert, der keinen Shabat feiert) noch was zu Essen und/oder ein Bier gibt.
Bis denn, Carsten